Was mich zuerst positiv überrascht hat, war die Tatsache, dass Ubuntu Linux jetzt HFS+ formatierte Laufwerke erkennt und sie ohne Probleme lesen kann. Windows kann bzw. will das zum Beispiel nicht. So kann ich einige meiner Daten vom Mac einfach mit meiner 120GB USB Harddisk rüberkopieren.
Datenaustausch
Dumm ist nur, daß es unter Ubuntu keinen Modus gibt, wie unter OS X, wo per Default die Zugriffsrechte auf entfernbaren Medien einfach ignoriert werden.
Zugriffsrechte werden nämlich über Benutzer IDs geregelt, und die können je nach System verschieden sein, so ist der erste User den OS X anlegt in der Regel ID 501, bei Linux ist diese ID anders und dann kann es passieren, dass man plötzlich keine Zugriffsrechte auf die Dateien auf einer Mac HFS+ Partition mehr hat, weil diese Daten mit Zugriffsrechten für User 501 angelegt wurden, der natürlich verschieden ist von der ID, die man in Linux hat. Klar kann man das via sudo und cp im Terminal umgehen, aber das dürfte wohl für den Durschnittsuser schon ein unlösbares Problem darstellen. Schließlich weiß der Otto-Normalverbraucher so etwas nicht, und alles was er sieht ist seine externe Festplatte, auf deren Daten er nur teilweise Zugriff hat.
Kann ich alle Daten öffnen? Nun ja, Photoshop Dateien sind (wenn sie im kompatibleren Format abgespeichert wurden) mit GIMP beschränkt benutzbar. Damit kann man unter Umständen leben. RTF mit OpenOffice. RTFD geht leider gar nicht. Für alle Nicht Macianer, RTFD ist ein RTF-Dokument mit Bildern (die originale Spezifikation von RTF sieht keine Einbettung von Bildern vor). Genaugenommen ist ein RTFD-Dokument ein “Bundle” also ein Ordner, der das eigentliche RTF Dokument und die Bilder als separate Dateien enthält, aber als ein Dokument von OS X erkannt wird. Auch zum Konvertieren von RTFD in andere Formate gibt es anscheindend nichts brauchbares, denn selbst wenn ich ein RTFD aus TextEdit exportiere, verschwinden die eingebetteten Bilder. Unter OS X kann ich im Schlimmsten Fall via Copy & Paste die Dokumente in andere Formate bringen, aber das ist reichlich umständlich.
Schuld daran sind natürlich die proprietären Formate, aber ehrlich gesagt, kennt Ihr eine Applikation außer Open/Star Office, die OTD-Dateien fehlerfrei öffnen kann? Nein? Was bringt mir das offene Format, wenn keine andere Applikation es verwenden kann? Als Endanwender relativ wenig, und selbst als Programmierer, wer ist schon so fit, dass er wirklich einen Importfilter für OTD selber schreiben könnte?
Sonst habe ich einige proprietäre Formate, für die ich noch Lösungen suchen muss… (Illustrator dateien, Lineform dateien etc.) Die meisten Formate kann man von den Programmen selbst aus in offene (SVG) oder zumindest von Linux-Applikationen erkennbare (EPS) Formate konvertieren, ist nur viel Arbeit. Open Office ist ansonsten prima, habe es ja auch exzessiv unter dem Alias NeoOffice unter OS X verwendet. Natürlich werde ich von nun an meine Dateien dennoch als .otd und bestimmt nicht .doc sichern ;-P
Musik und mehr
Mein iPod (video 5. Gen.) wird sofort erkannt. Und zwar Nicht nur als Harddisk, sondern auch als MP3-Player. In Nautilus wird sogar ein Button angezeit, der mir anbietet, diesen iPod in Rhythmbox (ein Audio-Player und Organisationsprogramm) zu öffnen, wo ich dann z.B. die Musik und die Videos auf dem iPod abspielen könnte.
Anfangs glaubte ich, Rhythmbox könne nur den Audioteil der MPEG-4 Videos abspielen, weil nichts sonst angezeigt wird. Nachdem ich allerdings zufällig die Visual Effects einschalte (die normalerweise nur für die hypnotische visuelle Untermalung von Musik zuständig sind), merke ich, dass dieser Button auch als Aktivierer für die Bilddarstellung von Videodateien zuständig ist. Dummerweise läuft der Video verzerrt innerhalb des Progammfensters. Also da ist sicherlich noch Verbesserungbedarf. Es gibt aber zum glück noch viele andere Audio-Video-Multimedia-Player-Organisierer unter Linux, so dass ich mich zum Thema Multimedia ausführlich im nächsten Artikel auslassen werde.
Zettelwirtschaft
All die kleinen Schnipselchen von Informationen, Tipps, Tricks, längere Texte die man für spätere Referenz irgendwo speichern will möchte ich in einem Programm organisieren. Unter OS X gibts so viele Variationen zum Thema man wird fast wahnsinnig (Yojimbo, Evernote, Journler, Together, MacJournal, Notae, Mori, Curio, Memoir, ShoveBox, Tagebuch, Notebook, xPad, DEVON Think Pro usw.).
Auf Linux scheint es fast nichts zu geben, was der Funktionalität von Yojimbo oder Evernote nahe kommt. Das ist ein Problem, denn ich verwende solche Programme um meine Informationsschnipsel und Materialien zu organisieren und übers Web abzugleichen (synchronisieren). Die Evernote-Support Leute sagten mir zwar, sie arbeiteten an einer Lösung für Linux, aber ich habe das dumpfe Gefühl, dass sie damit nur die neuliche Öffnung ihrer API meinten.
Bisher habe ich mir Tomboy angeschaut, aber das ist anscheinend in Mono geschrieben und nicht gerade Ressourcensparend, außerdem auch viel zu eingeschränkt (ich will auch Bilder mit einbetten und PDF-Dateien). Zim Desktop Wiki ist ein bißchen wie Vodoo Pad, aber leider auch viel zu eingeschränkt im Funktionsumfang. Eigentlich enttäuschend, dass im Productivity-Bereich so wenig gutes für GNOME bzw. Linux zu finden ist… Basket ist leider eine KDE/Qt Applikation und sieht auch entsprechend kötzlich aus, außerdem will ich nicht gleich hunderte von Megabytes von Qt und KDE base Libraries installieren, nur damit das Teil läuft, also bin ich immer noch auf der Suche nach einem guten gtk basierten Schnipselchen-Organisator, der auch mit Bildern und PDF-Dateien umgehen kann (und Tagging bitte!).
Schaffe, schaffe…
Ich brauche mit GTD Applikationen gar nicht erst anfangen, vor einem Jahr hat der GTD-Boom den Mac überflutet und jetzt weiß man schon gar nicht mehr womit man seine Things eigentlich Done Getten soll.
Eine reine To-Do Liste tuts einfach nicht mehr bei dem verschachtelten Projekt- und Task-Wust, der über einen kommt. Im Open Source Bereich sind mir zwei Tiddly-Wiki basierte Lösungen bekannt, die aber weil Browser-Basiert, nicht unbedingt das Gelbe vom Ei sind. Und dann das Java-Monster Thinking Rock, das einfach zu zähflüssig ist und bei mir auch relativ instabil. Na ja, Java auf dem Desktop… muss auch nicht sein.
Ein Pläuschchen in Ehren, wer kanns verwehren?
Pidgeon, das vorinstallierte Chat-Programm funktioniert gut, auch mit Japanisch. Leidet aber an derselben Krankheit wie viele OSS Programme: es ist potthässlich. Umso trauriger ist das, weil Adium (für OS X) auch Open Source ist und auch wie Pidgeon auf gaim basiert. Adium ist visuell äußerst ansprechend und mann kann auch das Aussehen der Chats bis zum Umfallen mit Xtras seinem Geschmack anpassen, da lässt einem Pidgeon gerade mal die Fonts und Farben auswählen (und das nur mit einem plug-in). Mager.
Skype läuft, leider nur Version 2. Meine integrierte Kamera wird auch erkannt! Dummerweise will das interne Mikrofon nicht. Dann muß ich wohl auf Pantomime und Gebärdensprache umschalten :-(
Suchet, so werdet Ihr finden
Dateisuche unter Ubuntu ist OK. Leider dauert es viel zu lange, bis ein Ergebnis erscheint. Man ist natürlich als Mac User sehr verwöhnt, weil HFS schon in den Mac OS 8-Zeiten fast für sofortige Ergebnisse bei Dateisuchen sorgte, das hat was mit dem Dateiformat und B-Trees und so nem Schweinkram zu tun, jedenfalls war und ist Suchen unter Windows und UNIX wesentlich langsamer als unter OS X. Spotlight hat da die Kluft nur noch größer gemacht, auch Beagle kann Spotlight ganz und gar nicht das Wasser halten.
Nachdem ich erfuhr, dass Beagle eine Mono-Monster ist habe ich schnell nach Alternativen gesucht. Ich finde, das Indizieren von Dateien sollte möglichst im Hintergrund mit minimalem CPU-Overhead geschehen. Sag mir mal einer, wie er das mit Mono veranstalten will? Da könnte man den Indizierungsvorgang auch in Java schreiben… Tracker, eine andere Art Dateien zu indizieren und zu suchen ist auch vorinstalliert und ersetzt flugs Beagle. Nett, dass die ganze “Such”-Architektur modular zu sein scheint, denn den anderen Applikationen ist es egal, ob Tracker oder Beagle, sie können mit beiden Backends nach Dateien suchen.
Noch ein Wort zu Mono: Warum altriert sich eigentlich die Welt über OOXML, aber irgendwie wird .NET (Mono) und C# von der Open Source Welt mit offenen Armen empfangen? Sicherlich mag C# wirklich einem offenen Standard entsprechen, aber ich habe einfach das dumpfe Gefühl, dass Microsoft irgendwann mit IP und Patentansprüchen den Brüdern in die Suppe spuckt. Ich jedenfalls verstehe keinen Open-Source-Programmierer, der guten Gewissens Mono-Programme schreibt. Vor allem frage ich mich, ob man rein rechtlich Mono und damit erzeugte Programme überhaupt unter der GPLv3 vertreiben könnte…
Fernsteuern
Remote Desktop: Nicht nur gut, auch Zeroconf (alias “Bonjour”) funktioniert einfach.
Mein Aspire one erscheint auch unter OS X, und kann über das integrierte Screen sharing einfach ferngesteuert werden. Auch mit anderen VNC Clients gibts keine Probleme. Gut finde ich, dass man den VNC Server einfach laufen lassen kann, dumm ist nur, dass der erst gestartet wird, wenn man sich eingeloggt hat, was denn Sinn der Fernsteuerung irgendwie zunichte macht.
Denn was bringt die Fernsteuerung, wenn ich dann nach jedem Ausloggen oder Neustart erst wieder direkt am Rechner einloggen muss, damit der VNC Server aufgestartet wird? Da sollte man doch per superuser Passwort den Server auch gleichzeitig mit dem Loginfenster starten können, dann würde ein Schuh draus werden (so wie OS X das macht).
HTML und CSS coding
Unter OS X kann man mit Cyberduck bzw. Transmit (FTP) und Smultron oder Textwrangler, Dateien direkt auf dem FTP Server mit einem Doppelklick im Editor öffnen und einfach per “sichern” automatisch hochladen. Coda von Panic Inc. macht dasselbe in einer integrierten Packung. Unter Linux hat man da wenig Auswahl (gratis). Ich schau mal, ob ich mit Bluefish klarkomme, sieht ganz OK aus.
Nur fehlen mir halt wieder einmal Features wie “Block Edit”, wo ich mehrere Zeilen von HTML code auswählen kann und durch anfügen von code an nur eine der Zeilen, denselben Code an alle anderen Zeilen anfügen kann. Auch bevorzuge ich das “halbmanuelle” schließen von Tags (per Shortcut), wie in Smultron. Das automatische Schließen von Tags sobald ich den ersten Tag tippe – das irritiert mich einfach. Da ich Nautilus auch als FTP client verwenden kann, kann ich auch hier per Doppelclick Dateien editieren, also ist das ganz funktionell.
Ich habe außerdem entdeckt, dass der Standard Text Editor, gedit, reichlich unterschätzt wird, denn sobald man all die netten Plug-Ins aktiviert, kann auch dieser mit vielen netten Funktionen aufwarten, so dass man ihn auch für mehr als nur ganz primitives Text-Editing verwenden kann. Für schnelle Korrekturen verwende ich allerdings meistens nano. Schneller gehts kaum.
Filesharing
Filesharing funktioniert nicht so einwandfrei, sobald ich die Checkbox anclicke, dass ich diesen Ordner im Netzwerk freischalten will, sagt mir Ubuntu erstmal, dass es dafür erst Komponenten herunterladen muss. Wieso ist so etwas grundlegendes wie Filesharing nicht von vornherein installiert? Es gibt ja auch viele LANs, die vom Internet isoliert sind, wenn ich dann erst merke, dass meinem Rechner ohne zusätzlichen Download essentielle Funktionalität fehlt, sehe ich alt aus. Also mir ist unklar, was das soll.
Wenn man aber ans Internet angeschlossen ist, hat man innerhalb weniger Sekunden oder Minuten das Filesharing aktiviert. Leider erscheint mein Ubuntu-Rechner im Netzwerkbrowser nicht. Komisch, dass Remote Desktop sich zeroconf bedient, SMB aber nicht. Am Ende versuche ich meinen Mac manuell über “Connect to Server…” mit dem Aspire One zu verbinden, was dann auch auf Anhieb funktioniert, nur ist Ubuntu anscheinend im Netzwerk unsichtbar…
Wireless
Wie schon erwähnt, seit Ubuntu Inrepid Ibex (8.10) funktioniert das WiFi ohne mein Zutun. Ubuntu merkt sich auch Netzwerke, die ich einmal benutzt habe und loggt sich nach bedarf später wieder automatisch ein. Alles in allem: da hat sich viel getan, WiFi ist unter Ubuntu nun etwas, das einfach funktioniert, ohne, dass man darüber nachdenken muss, ganz so, wie ich es von Mac OS X gewöhnt bin.




















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