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Nov 11, 2008 @ 06:55
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seek and thou shalt find

Ubuntu – Linux für Menschen? (Teil IV)

Wer sich nicht so mit der GNU public license, “free—as in speech—software” und Richard Stallman auskennt, der wird sich auch wundern, warum Ubuntu von Haus aus einige Codecs nicht bieten kann, die für jeden Multimedia-Menschen einfach selbstverständlich zu sein scheinen.

Nun ja, die Tatsache, dass das Englische keinen Unterschied zwischen gratis (free) und frei (free) wie Freiheit macht, erleichtert den Sachverhalt auch nicht. Jedenfalls kann und darf man sehr wohl unter Ubuntu Codecs verwenden, deren Quellen nicht offenliegen. Das geht sogar von fast ganz allein, sobald man folgendes Repository zu seinen Software-Quellen hinzugefügt hat: Medibuntu

Multimedia – jetzt wirds ernst

Medibuntu und ich kann meine MPEG-4 h.264 PorKinofilme anschauen. Das war Problemlos. Nur dieser Extra-Schritt ist nicht automatisch und sonst auch für einen Normaluser, der einfach seine Filmchen anschauen will, nicht so einfach nachvollziehbar. Was bleibt ist eine Verwunderung, warum hier dem User Steine in den Weg gelegt werden. Sicherlich die Philosophie von Ubuntu und auch Debian ist ein Kernstück dieser Distributionen, aber erklär das einem Normaluser, der sowieso schon das Gefühl hat, dass Linux ihm nicht ganz geheuer ist. Man kommt sich ein bißchen vor, wie von den Zeugen Jehovas genötigt worden zu sein.

iPod

Ich habe einen Video iPod der fünften Generation. Also nicht unbedingt das allerneueste, warum ich auch hoffte (oder fast erwartete), dass die alte Rübe doch nun wirklich lange genug auf dem Markt war, um mit meiner Ubuntu-Maschine nahtlos zu funktionieren. Obwohl man ja als Mac User davon ausgehen dürfte, dass man “the real thing” in Sachen iPod besitze – da ein FAT32 formatierter iPod schon fast etwas blasphemisches hat – ist das wohl allen iPod Hilfsprogrammen unter Linux wurst. Wenn dein iPod nicht unter Windows initialisiert wurde (unrein, unrein!), dann hast du Pech gehabt.

Ubuntu kann bekanntermaßen HFS+ formatierte Medien nur lesen per default, wer also seinen iPod richtig mit Linux verwenden will, der ist als Mac User angeschmiert, denn die einzige brauchbare Lösung (es gibt noch eine sehr abgefahrene andere), wäre den eigenen iPod einfach unter iTunes für Windows zu inititalisieren. Nun ja, wenn ich jetzt Windows kaufen muss, nur damit ich meinen iPod mit Linux verwenden kann, dann ist das ja wohl nur noch schwachsinnig. Setzen, 6.

Auch Podcast abonnieren ist ganz und gar nicht toll und den wenigen Podcatchern wie Songbird fehlt die Funktionalität um auch nur annährend sinnvoll benutzbar zu sein. Man kann nur Löschen oder nicht löschen nach dem Anhören. Wie wärs denn mit Optionen wie: die letzten 5, 10, 15 Episoden behalten, rest löschen a la iTunes?

Fazit: Ich kann immer noch keine Videos auf meinen 5.-Generation iPod kopieren. Und der ist ja wirklich nicht mehr neu. iPod touch ist sogar immer noch nur read-only unter Linux. iPod life mit Linux ist einfach nicht wirklich machbar. Schade. Ich hatte noch Hoffnungen für Rockbox, eine Open Source Firmware für iPods, aber die kann leider kein MPEG-4 abspielen, sondern nur mal MPEG-2, und dass muß nun wirklich nicht sein auf dem iPod… Ach ja und auch Rockbox geht davon aus, dass man es nur auf iPods installieren kann, die mit FAT32 formatiert wurden. Also wirklich. Das ist einfach lahm.

Kinofreuden

DVDs angucken, geht dank Medibuntu und Totem automatisch. Dummerweise merkt sich der Mediaplayer (Totem) nicht, wo man aufgehört hat einen Film zu gucken (DVD player unter OS X schon) und man muß sich für den nächsten Programmstart die Zeiten merken, wo man den Film unterbrochen hat. Das ist ziemlich bescheuert.

Das wäre ja schon schlimm genug, aber in ihrer unendlichen geekigkeit haben die Programmierer und User-Hasser uns noch einen kleinen Stein in den Weg gelegt:
Beim Jump Befehl zum Anspringen einer bestimmten Position im Film MUSS bei Totem die Position in Sekunden angegeben werden, allerdings der Player selbst zeigt nur Minuten und Sekunden an, peinlich. Nein ich will jetzt nicht anfangen mit Rechnen, das ist einfach nur Faulheit und Dummheit des Programmierers. Setzen, 6.

DVD auf die Platte

Rippen und konvertieren geht ganz gut, wenn auch mit Tücken. So ist Handbrake, der DVD-Ripper schlechthin für Linux nur als CLI Version verfügbar (ja, Ubuntu kann nichts dafür, aber OS X kann auch nichts für HandBrake, gell?) und braucht eine extra GUI, die man sich selbst kompilieren darf, was leider ein schlecht dokumentierter und öfters gar nicht funktionierender Prozess ist. Wie so of unter Linux.

Leider reines kopieren (und de-CSSen) will nicht so recht (MacTheRipper ist einfach genial dafür), ich kann zwar im Dateimanager “Nautilus” per rechtsclick eine ISO rippen, aber wie mounte ich die jetzt? Doppelklick auf die ISO Datei tut erst einmal gar nichts. Nach langer suche finde ich endlich Gmount, mit dem ich die ISO Datei auf dem Desktop mounten kann, aber VLC wills nicht als DVD erkennen.

Nur mal als Vergleich, unter OS X kann man ein iso image per Doppelklick öffnen und Apples DVD-Player öffnet dieses gemountete Disk wie eine ganz normale DVD.

Dann versuche ich es mit Drag-and-Drop in die Playlist von VLC jedes File einzeln, was auf dem kleinen Aspire One Monitor ein Krampf ist, denn dummerweise kann Beryl zwar Pseudo-Exposé machen und wie OS X auch den Desktop zeigen, aber während beider Vorgänge eine Datei Draggen und Droppen geht nicht.

Noch mal als Vergleich: auf OS X würde ich… Exposé mit F9, Fenster mit .vobs in den Vordergrund, Expose beenden. Im Fenster .vobs auswählen, Drag beginnen und während des ziehens der Dateien mit gedrückter Maustaste Expose via F9, dann zur Playlist von VLC, in den Vordergrund, Expose beenden und Drop auf die Playlist. Das kann Beryl nicht.

Also heißt es Ärmel hochkrempeln, fenster herumschieben und resizen wie in den Gründertagen ;-), und dann mit etwas Gefummele geht es. Später finde ich heraus, dass der Open-Dialog von GNOME den gleichen Trick wie in OS X beherrscht, d.h. man kann einfach ein Objekt eines im Hintergrund offenen Fensters in den Öffnen-Dialog einer Applikation ziehen, um im Dialogfenster zum schon offenen Ordner zu springen. (An die OS X User: ha, das habt ihr nicht gewußt, oder?).

Editing

Einige der komplexeren Audio-Editor-Applikationen haben größte Mühe Audio überhaupt abzuspielen, das liegt sicher auch daran, dass es einfach immer noch keinen wirklichen Standard für Audio-Treiber-Architektur und Mixersysteme unter Linux gibt. Ubuntu setzt auf ALSA, aber ich habe gelesen, dass das bei anderen Distributionen wieder anders ist, also auch hier immer noch völlige Balkanisierung.

Dabei hilft es auch nicht, dass die Latenzzeit für Audio unter Linux ziemlich schlecht ist, da sie sehr schwanken kann (da glänzt OS X mit einer der besten Latenzzeiten in der Industrie!) und auch Video kann bisweilen recht haarig werden, einfach weil im Multimedia-Editingbereich die Performance von Linux allzu oft grausam ist. Linux wurde nun einmal nicht dafür ausgelegt, dass ein User im System die Performance des ganzen Systems für die Ausführung eines Programmes mit hoher Priorität hijacken kann (soft realtime). Linux ist konzipiert als Server OS, auch wenn die Desktop-Distributionen einem glauben machen, dem sei nicht so, schlußendlich wurde der Kernel in den wenigsten fällen für Audio-Video-Sonstwas Editing optimiert oder auch nur annährend dessen Optimierung in Betracht gezogen, sondern es wird eben ein für Server- oder Light-Desktop-Use konzipierter Standardkernel und Scheduler verwendet.

Stolpersteine und “DUHs”

Copy and Paste, funktioniert unter Linux konsistent eigentlich immer noch nur mit Textdaten, und dann auch nicht zwischen allen Applikationen. Noch schlimmer steht es mit Drag-and-Drop bestellt. Wenn man aber als “Workaround” den Datenaustausch zwischen Applikationen immer auf Dateibasis machen muss, stellt das schon einen enormen Effizienzeinbruch dar, da ich jeden Mist, den ich schnell mal in einer anderen Applikation verwenden will, erst einmal als “richtige” Datei zwischenspeichern muss. Ich kann einfach nicht glauben, dass nach so vielen Jahren noch keine zufriedenstellende Lösung dafür existiert.

Auch die Tatsache, dass in GNOME (und auch KDE glaube ich) in der Regel die Zwischenablage gelöscht wird, wenn man eine Applikation beendet (echt!), und das zur Zeit nur umgangen werden kann, indem man ein Programm zu Verwaltung mehrerer Zwischenablagen installiert, stellt einen weiteren völlig unnötigen und sinnlosen Stolperstein für den Enduser dar.

Ich pfeife auf Compiz/Beryl, wenn absolut essentielle grundlegende Funktionalität wie Copy-and-Paste und Drag-and-Drop einfach immer noch nicht funktioneren. Als langjähriger Mac-User komme ich mir daher unter Ubuntu manchmal vor, als würde ich Apples System 6 mit verringerter Funktionalität aber einer etwas aufgepeppten GUI verwenden.

Daher muss ich es nun sagen: für zeitkritische Kreativarbeit ist Linux einfach noch meilenweit entfernt von dem was OS X zu bieten hat. Eine Integration auch der diversen Applikationen untereinander existiert so gut wie gar nicht, und man spürt leider allzu oft, dass man halt doch eher ein Flickwerk vor sich hat, das mehr zufällig zusammenarbeitet, als ein komplettes Ganzes, das von vornherein auf Desktop-Integration und Konsistenz konzipiert wurde.

Da hilft es umso weniger, wenn sich die Desktop-Umgebung in die beiden Hauptlager GNOME und KDE spaltet und man sich wenig schenkt. Es wird immer posaunt, diese Konkurrenz sei ein Antrieb für Innovation, leider sehe ich in Linux auf dem Desktop immer nur Imitation von Windows und Mac OS X und dazu noch von reichlich halbgarer Art. Zuviel Zeit wird verschwendet, um genau dieselbe Funktionalität zweimal zu erschaffen für GNOME und KDE und es wird as Rad immer und immer wieder erfunden, anstatt dass man sich einmal zusammen an einen Tisch säße und einmal ernsthaft über eine echte Standardisierung des Desktops und dessen Schnittstellen nachdächte, oder man über das Fokussieren der Energien der OSS Entwickler spräche.

Fazit

Als Alltags-Desktop OS halte ich Ubuntu dennoch für absolut tauglich. Es ist in den meisten Dingen sogar konsistenter und einfacher zu handhaben als Windows (was ich allerdings für keine allzu große Kunst halte). Wer mit seinem “PC” im Web surfern, Mails schreiben, Skype chatten, ein paar Office Dokumente bearbeiten, ja sogar Screen-Only Grafikdesign machen will, der könnte sich mit Ubuntu sicherlich anfreunden und mit genug Hingabe vielleicht sogar glücklich werden. Wer einen iPod hat, muss allerdings sicherstellen, dass er von Windows switched und keinen allzu neuen iPod besitzt, sonst ist es zappenduster.

Kreative und Leute in der Post-Production, wo man sich absolut keine Downzeit leisten kann, dort wo einfach alles von Anfang an nahtlos zusammenarbeiten und integriert sein muss, finden unter Ubuntu Linux keine wirkliche Alternative für den Desktop, es sei denn, sie sind bereit sehr große Abstriche in Effizienz im Astausch für die “Freiheit” die man hier gewinnt in Kauf zu nehmen.

Postludium

Nachdem ich nach zwei Wochen intensivem Ubuntu-Gehacke (was mir wirklich Spaß machte), wieder einmal zurück auf meinem MacBook Pro war, war ich überrascht wie “befreit” ich mich plötzlich fühlte. Ich konnte wieder einfach “machen”, anstatt zu versuchen und allzuoft herauszufinden, dass es nicht oder nicht richtig funktionierte. Und mir wurde wieder klar, wie entgegenkommend intuitiv viele Dinge unter OS X einfach funktionieren, ohne dass man überhaupt darüber nachdenken muss, oder dass man überhaupt selbst aktiv werden muss.

Jetzt kann man mir Mac-Jüngertum vorwerfen, was ich grunsätzlich ablehne. Ich komme vom C=64 und Amiga, und bin erst spät auf Mac OS gestoßen (damals noch System 7). Und wenn es vor allem in den vor-OS X Zeiten auch technisch mangelhaft war, war es immer das produktivere System. Und nur das zählt für einen Professionellen Kreativen. Der Computer ist ein Werkzeug, und wenn es den Job schnell erledigt, ist erst einmal dessen Zweck erfüllt.

Daher mag ich OS X weil es das ist, was es ist: Mac usability gepaart mit UNIX Geektum. Hier kann ich in die CLI gehen, wenn ich will, und nicht weil ich muss. Wie damals auf dem Amiga auch. Wenn mir jemand Voreingenommenheit vorwerfen will, dann nennt mich doch Amiga-Jünger, denn im Prinzip ist OS X das, was der Amiga immer sein wollte. Die Ultimative Multimedia Maschine speziell auch für Geeks.

Auch jetzt weiß ich noch immer nicht so recht, wo ich Linux einordnen soll, aber ich würde es dennoch (speziell Ubuntu) gewissen Leuten empfehlen. Besser als Windows in vielen Belangen ist es allemal, und free updates for Life, wie bei Linux gibt es sonst auch nur noch bei Stone Software. Ehrlich.

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Was meint Ihr?

from monologue to dialogue

  • November 14, 2008 @ 18:50
    Wenn ich all das Gehacke um mich herum so ansehe, dann werde ich wohl da bleiben, wo ich bin: Mac OS X fuer's Alltaegliche, Linux fuer die server. Allein fuer das Terminal liebe ich den Mac. Kaum schalte ich Windows ein und oeffne das so hochgelobte putty, moechte ich gleich die Maschine aus dem Fenster werfen. Hat Ubuntu eigentlich auch etwas Terminal-Aehnliches? Wenn ja, schaue ich es mir vielleicht doch mal an...
  • November 15, 2008 @ 02:22
    Äh, Ubuntu ist im Prinzip Debian Linux mit aktuellerer Software. Natürlich hat es einen Terminal. Und Alle shells, die man sich nur vorstellen kann: bash, sh, csh, ksh, csh you name it. Nur muss man leider immer noch des öfteren in selbiger Treiber selbst kompilieren...
  • November 17, 2008 @ 20:46
    Tja ich bin schon vor Jahren von Linux wieder abgestiegen nachdem ich es nur und ausschließlich verwendet habe (das war so um 2001 und Linux total in). Da hieß es mal unter Linux kann man alles machen während man unter Windows nur das machen kann, was der Programmierer einem zugesteht. Und in der Tat man kann alles machen. Alles selbst. Ich habe mich irgendwann einfach gefragt ob ich weiter Administrator spielen will oder noch etwas erarbeiten bzw. erreichen möchte.
  • November 18, 2008 @ 02:29
    Es hat sich wirklich viel getan in den letzten 4-5 Jahren, das gebe ich zu, allerdings gibt es halt noch wirklich große Usability-Lücken bei ganz grundlegenden Funktionen. Darum meine große Bitte an die Community: Bevor Ihr Euch daran aufgeilt, was für tolle Wobbly-Windows man mit Beryl jetzt haben kann und den Mac Usern immer vorwerft, es ginge ihnen nur um die Optik (was völllig falsch ist, denn Steve Jobs selbst sagte: "Design is not how it looks, Design is how it works"), sollten sie sich mal selbst an die Nase fassen und erst einmal das Fundament fertig stellen bevor sie sich sorgen um die Vorhänge machen...

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